Endlich zu Hause



Doch nichts dergleichen passierte. Das Essen war mühselig. Benedikt trank bei einer Mahlzeit vielleicht 30ml. Das alle 1 ½ - 2 Stunden. Wenn ich Glück hatte, erbrach er nicht das ganze Essen. Er schrie auch nach wie vor viel, und überstreckte sich. Wenn es ganz schlimm war wickelte ich ihn fest in ein Tuch, nur so beruhigte er sich. Er hatte auch ziemlich dolle diese 3-Monats-Kolliken, und auch viel länger als üblich. Die Nachsorge-Hebamme, versuchte verschiedene Globuli, die leider nicht den gewünschten Effekt hatten. Er schrie so schlimm, dass er teilweise blau anlief. Es tat mir in der Seele weh. Nichts konnte ihm helfen. Ich kaufte alle möglichen Sälbchen und Zäpfchen, nur um die Schmerzen ein bisschen zu lindern. Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Doch ich stand das irgendwie durch. Was noch schlimmer war, Benedikt hatte Wahrnehmungsstörungen, und ließ sich nicht gern auf den Arm nehmen. Ein besonderer Horror für alle Großeltern. Die natürlich ihren Enkel drücken und schmusen und knuddeln wollen, ich dann aber das schreiende kleine Bündel in seinen Stubenwagen legen musste, weil er sich nur dort beruhigt hat.

 

 

 

Auf Grund seines geringen Gewichts, waren wir Stammgast bei unserem Kinderarzt Dr. Rindle. Er ist sozusagen unser Nachbar. Das machte es uns enorm leichter, denn Benedikt musste alle 2 Wochen zum Wiegen. Benedikt nahm sehr langsam bis gar nicht zu. Das bereitete dem Kinderarzt doch Sorgen. Eine Ernährungsberaterin aus der Kinderklinik gab uns Maltodextrin, um die Kalorien etwas zu erhöhen. Doch einen wirklichen Erfolg brachte das nicht. Etwas Gutes hatte dieses Maltodextrin, Benedikt war etwa 8 Monate alt, und spuckte weniger.

Das Benedikt anders ist, wurde mir recht schnell bewusst. Ärzte und Therapeuten sprachen von einer kognitiven Behinderung. Anfangs war ich natürlich sehr traurig. Wieso gerade unser Kind??? Doch man lernt mit der Zeit, es zu akzeptieren und damit umzugehen. Benedikt ist für mich bzw. uns, ein Kind wie jedes andere. Nur eben mit Einschränkungen.

Die ersten Zeichen, dass Benedikt sich nicht  wie andere Kinder entwickelte, bemerkte ich als er 9 Monate alt war. Er drehte sich erst sehr spät. Auch spielte er nicht, sondern lutschte an all seinem Spielzeug nur herum. Von robben oder krabbeln ganz zu schweigen. Aber die KG sollte ihm dabei helfen. Auch wenn Benedikt die Therapie hasste, wir wollten ihn in allem unterstützen.

Mit 10 Monaten bekam er eine Brille. Benedikt war mit 8 Dioptrien stark weitsichtig. Mittlerweile sind wir bei 6 Dioptrien, und es wird hoffentlich noch besser. Natürlich wollte Benedikt die Brille anfangs nicht tragen. Es war ein hin und her…Brille auf – Brille ab. Nach 1 Jahr brauchte er neue Gläser, weil er sie mit seinen Zähnen so verkratzt hat, das er nichts mehr sehen konnte. Heute toleriert er sie sehr viel besser.

 

 

 

Seine Fortschritte waren langsam, aber definitiv zu sehen. Weihnachten 2005 hockte er im 4-Füßler-Stand, kurz danach robbte er. Dann kam im März sitzen mit Arm abstützen. Der Sommer 2006 brachte für Benedikt enorme Fortschritte. Er begann frei zu sitzen, fing an zu krabbeln, auch sein Lautieren wurde besser. Man konnte unterscheiden, ob er etwas mochte oder nicht. Er war immer in Bewegung. Oft dachte ich, er hat so viel Energie, dass er gleich aufsteht und losrennt. Er interessiert sich für viel mehr Dinge. Jetzt muss ich aufpassen, dass er sich nicht an unserer Zimmerpflanze hochzieht, oder gar die Blätter isst!!

 

Im Großen und Ganzen ist er ein sehr lustiger pfiffiger kleiner Mann, der jeden mit seinem Lachen ansteckt. Für uns ein ganz *normales* Kind, das mal bockig ist oder schreit, aber auch sehr liebenswert sein kann.

 

Unser Sohn wird immer unser Sohn bleiben. Egal, was er für eine Behinderung/Krankheit hat, oder was noch kommen wird. Wir können nicht in die Zukunft schauen, und sehen, was sie bringt. Und das ist auch gut so.