Eigentlich wusste ich schon vorher, dass ich wieder schwanger bin. Doch die 2 rosa Streifen auf dem Schwangerschaftstest bestätigten mir, dass sich ein kleines Wesen zu uns auf den Weg macht. Am 17.11.03 konnte mir auch mein Frauenarzt gratulieren, ich war in der 9. Woche schwanger.
Die Schwangerschaft verlief problemlos. Hin und wieder Kreislaufprobleme. Doch die bekam ich mit etwas Ruhe in den Griff.
Als ich in der 33.SSW wieder zur Vorsorgeuntersuchung ging, meinte der FA das Benedikt, mittlerweile wussten wir, dass es ein Junge wird, nicht altersgemäß wuchs. Er korrigierte die SSW auf die 31. und wollte bei der nächsten Untersuchung nachschauen, wie Benedikt weiter wächst. Dann bekam ich noch eine Überweisung für einen Doppler US, um nachschauen zu lassen, ob die Plazenta meinen kleinen Zwerg noch gut versorgt. Als die nächste Untersuchung (36.SSW) beim FA anstand, meinte er, er ist nicht wesentlich gewachsen, warum kann er nicht sagen. Also wieder zum Doppler US ins Klinikum. Benedikt wurde gut weiterhin gut versorgt. Doch auch die Ärzte dort konnten sich das langsame Wachstum nicht erklären. Sie schätzten Benedikt auf 2200g und ca. 49cm. Der Feinultraschall in der 20. SSW war okay gewesen. Nackenfalte im Normalbereich.
Gegen Ende der Schwangerschaft, meinte mein kleiner Sohn *inside*, einen Weltmeistertitel im Turnen zu holen. Dadurch dass er sehr klein war, konnte er sich sehr viel bewegen. Schön für ihn…schlecht für mich. Denn durch das Turnen im Bauch und der Hitze draußen, lag ich oft im Bett, weil mein Kreislauf total im Keller war. Aber meine Tochter Laura versorgte mich in der Zeit sehr gut mit einem kalten Waschlappen, oder einem Glas Wasser. Danke meine Laura!!!

Mein Entbindungstermin war der 26.6.04, ein gutes Datum, weil an diesem Tag meine Tante Geburtstag hat.
Am 7.6.04 stellte ich mich im KH Haunstetten vor. Dort wollte ich entbinden. Ich lernte die Hebamme kennen, sie nahm meine Daten auf, zeigte mir noch den Kreissaal, und gab mir einen Termin für die kommende Woche. Ein Buscopan - Zäpfchen gab sie mir auch mit. Das sollte ich nehmen, wenn ich Wehen hätte. Verschwinden die Wehen wieder, sind es keine echten.
Am Nachmittag des 7.6. hatten wir uns mit Freunden zum Grillen am See verabredet. Es war auch nicht zu warm, sehr angenehm für mich. Eigentlich hatte ich schon den ganzen Tag leichte Bauchschmerzen, den ich aber Null Aufmerksamkeit schenkte, und es auf Senkwehen schob.
Gegen 18 Uhr erzählte ich dann einer Freundin, dass ich jetzt schon stärkere Bauchschmerzen hätte, aber ich hatte ja noch 3 Wochen Zeit. So verbrachten wir noch einen netten Abend. Um 22 Uhr waren wir dann wieder zu Hause. Ich wollte dann testen, ob ich wirklich Wehen hatte, und ließ mir Badewasser ein. Schön entspannt im warmen Wasser, wurden die Schmerzen weniger, und ich dachte mir:“… siehste…Fehlalarm“. Wir gingen dann zu Bett. Eine Stunde später wurde ich wach. Bauchschmerzen, jetzt wohl doch Wehen in sehr unregelmäßigen Abständen kamen und gingen. Also verabreichte ich mir das Buscopan – Zäpfchen und legte mich wieder ins Bett. Ich hatte einen schönen Traum, doch irgendetwas störte. Als ich wieder wach wurde, merkte ich, dass ich starke Wehen hatte. Also gut, ich stand auf, um meinen Lebensgefährten Andi nicht zu wecken. Bewaffnet mit Wecker, Zettel und Stift ging ich ins Wohnzimmer, und schaute fern. Die Wehen waren noch ziemlich unregelmäßig, mal 4min. mal 7min. mal 3 min. Ich dachte mir, das dauert noch. Als die Wehen dann doch etwas stärker wurden, wanderte ich in der Wohnung umher, dadurch wurde Andi wach. Etwas unsicher, fragte er was los sei. Ich sagte, ich habe Wehen, und wir würden sicher irgendwann ins KH müssen. Mittlerweile hatte ich schon gut zu tun, die Wehen zu veratmen. Als der Wecker dann Wehen im Abstand von 3 Minuten anzeigte, rief ich im KH an, und fragte, ob ich denn schon kommen könnte. Ja ich kann kommen, sie wollten ein CTG schreiben. Mein Motto war *Niemals zu früh ins KH*, ich wollte dort nicht Stunden verbringen.

Wir machten uns dann gemütlich auf den Weg, und was passierte im Auto??? Meine Wehen waren weg. Toll!!! Ich hatte jetzt 2 Möglichkeiten, entweder umkehren und wieder nach Hause, oder zur Sicherheit im KH ein CTG schreiben lassen. Ich entschied mich für letzteres. Zum Glück!! Als wir auf dem Parkplatz des KH`s angekommen sind, waren die Wehen wieder da. Ich brauchte für einen 200 m Weg ca. 15 min. Weil ich zwischendurch immer wieder an Andi geklammert die Wehen wegatmen musste.
Endlich oben auf der Entbindungsstation, fragte die Schwester meinen Lebensgefährten, ob ich schon lange solche starken Wehen hätte.
Ich wurde ans CTG angeschlossen, und die diensthabende Hebamme Verena kam, und untersuchte mich. Als die den Bauch abtastete, meinte sie, dass es ein kleines Baby sei. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass es eben ein Zwerg wird. Andi machte es sich in einem Sessel gemütlich, während Verena mich weiter untersuchte. Sie stellte dann fest, das der Muttermund bereits auf 7-8cm offen war. Ich hatte also doch den ganzen Tag schon Wehen, und gute „Vorarbeit“ geleistet Andi fragte dann, ob wir denn jetzt wieder nach Hause fahren könnten. Die Hebamme lachte, und meinte, dass das wohl schlecht wäre, außer wir wollten unser Kind daheim oder im Auto bekommen.
Da Benedikt mit seinem Kopf noch nicht fest im Becken saß, gab mir Verena 3 kleine winzige Wunderkügelchen. Ich bezeichne das deshalb so, weil die Wirkung dieser Globuli enorm war. Die Hebamme war keine 20 Sekunden aus dem Zimmer, als ich Andi anschrie, er soll sie SOFORT zurückholen. Bei mir hatten die Presswehen eingesetzt und es drückte heftig nach unten. Ich wurde dann in den Kreissaal geschoben. Nach mehreren Stellungswechseln, Hinweisen wie „…tief in den Bauch atmen…“, und 5 Presswehen war Benedikt am 8.6.04 um 3.44 Uhr auf dieser unserer Welt. Die Nabelschnur 2-mal um sich herumgewickelt. Aber sonst eigentlich fit. Die Schmerzen waren wie weggeblasen. Er wurde gleich untersucht, weil er so klein war, und weil er auch nicht wirklich nach einem Baby aussah. Etwas Sauerstoff bekam er auch, weil er hin und wieder etwas schlapp war. Nach etwa 1 Stunde wurde Benedikt zur Überwachung ins Kinderzimmer gebracht, Andi fuhr nach Hause, und ich ruhte mich aus. Ich konnte aber nicht schlafen, weil ich noch total aufgekratzt war. So dämmerte ich bis 6 Uhr morgens. Da ging die Tür auf und ein Monstrum von Transportinkubator wurde hereingeschoben. Ein winziges kleines Etwas schaute mich mit großen Augen an. Man teilte mir mit, dass Benedikt in die Kinderklinik verlegt wird, weil seine Schlappheit doch Sorgen macht. Auch hatte man versucht ihm Essen zu geben, doch das spuckte er wieder heraus. Ich war irgendwie total verwirrt, stimmte allem zu und unterschrieb die Papiere…schon waren sie aus meinem Zimmer verschwunden. Was sollte ich auf einer Entbindungsstation ohne Kind?? Ich wollte schnellstens nach Hause. Man bot mir an, mich in die Kinderklinik zu verlegen, um näher an meinem Sohn zu sein. Doch das wollte ich nicht. Schließlich wartete zu hause noch meine große Tochter, die ich nicht unnötig lange alleine lassen wollte.

Am Vormittag kamen dann die ersten Besucher. Meine Mutter, Laura, Andi und sein Vater…doch wer war nicht da??? Benedikt. Ich bekniete die Schwestern und Ärzte, mich zu entlassen. Doch sie „überzeugten“ mich noch eine Nacht zu bleiben. Also schön…wenn es sie glücklich macht. Ich bekam dann die Erlaubnis mit Andi in die Kinderklinik zu fahren, um meinen Sohn zu besuchen.
Als ich ihn dann dort so sah, mit Nasensonde und Kanüle im Kopf, fing ich sofort an zu weinen. Eigentlich bin ich nicht so empfindlich, aber durch die Hormone geriet alles aus den Fugen. Die Kanüle im Kopf hatte er wegen eines Neugeborenen Infekts, die Sonde wegen des Erbrechens. Da lag er nun inmitten von anderen kleinen Zwergen, die auch mehr oder weniger einen schweren Start hatten.
Andi und ich wurden in alles mit einbezogen. Das wickeln musste ich neu lernen. Erstens lag das letzte Baby (meine Tochter) schon 8 Jahre zurück, und zweitens war Benedikt mit seinen 2200g und 47cm wirklich ein Winzling. Er schrie sehr viel, überstreckte sich und manchmal vergaß er im Schreien das Atmen. Das erschreckte mich schon sehr. Es waren Anpassungsschwierigkeiten, die mit seinem Gendefekt, von dem wir ja damals noch nichts wussten, zusammen hingen.
Auch klappte das Stillen nicht. Sobald ich ihn anlegen wollte schrie er wie am Spieß. Okay, dann eben abpumpen. Ich kam mir wie eine Milchkuh vor. Ich hatte auch nicht wirklich viel Milch, dazu kam noch die Sorgen darüber, was Benedikt krankheitsmäßig hatte, also versiegte diese Quelle langsam. Nach 1 Woche entschloss ich mich, abzustillen.

Benedikt wurde gründlich untersucht. Gehirn, Bauch alles was hätte Aufschluss darüber geben können, warum Benedikt sich so anders verhielt. Nach 2 Wochen des *Nichts findens*, wurde er auf meinen Wunsch entlassen. Ich wollte ihn daheim haben, wusste, wenn er sich erstmal eingewöhnt hatte, würde alles besser laufen.
Das Abschlussgespräch brachte nichts Neues. Und so wurden wir mit dem Satz „…es besteht der Verdacht auf ein Syndrom…“ entlassen. Man empfahl uns, für Benedikt Krankengymnastik und auch den Besuch bei einer Genetikerin.
Ich dachte mir, für was KG und Genetik???
Ich ging als stolze Mutter nach Hause, und hoffte, alles würde sich normalisieren.

